Schokolade wird nur noch unverpackt angenommen! Oder: Warum der Handel sich mit unvollständigen Artikelstammdaten quälen muss

Ob groß oder klein, ob aus der Pfalz oder dem schönen Bayern, eines müssen sie alle tun: Ihre Artikelstammdaten korrekt und vor allem vollständig pflegen. Doch irgendwie scheint das nicht so trivial zu sein.

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Seit über 2 Jahren stecke ich in einem immer länger werdenden Kundenprojekt, wo es um die Synchronisation von Artikelstammdaten im LEH geht und wundere mich immer wieder aufs Neue über die inkonsistente Pflege der Artikelstammdaten vieler Lieferanten. Gerade jetzt im Zuge der Migration von Sinfos auf GDSN begegne ich immer öfter dem gleichem Problem: Artikel mit unvollständigen Verpackungshierarchien im Artikelstammdatenpool.

Man könnte fast behaupten die Lieferanten kennen ihre eigenen Artikel nicht. Wüssten nicht, dass die Tafeln Schokolade sich in einem Karton befinden, wo sie sicher sind und das Optimum an Platzsparpotenzial aufweisen, um anschließend optimal im Regal des Einzelhändlers positionierbar zu sein. Auch scheint der Lieferant nicht zu wissen, dass ganz viele Kartons für den Transport auf eine Palette gehievt werden, die Palette mit Folie umwickelt wird – man will ja nicht, dass etwas zu Bruch geht – um dann im LKW die sichere Reise zum nächsten Lebensmitteleinzelhändler auf sich zu nehmen.

Anscheinend sind Ihnen diese drei Verpackungsebenen nicht bekannt.

Oder sind sie es doch?

Man sollte doch meinen, dass das produzierende Unternehmen seine Artikel und deren Verpackungen kennt.

Doch woran liegt es sonst, dass die Verpackungshierarchien oftmals falsch oder unvollständig gepflegt sind? Ob da vielleicht auch das Know-How eine Rolle spielt? Kennt der kleine Schokoladenhersteller etwa den GDSN-Standard nicht? Weiß der kleine Schokoladenhersteller überhaupt was eine Verpackungshierarchie ist? Und die paar hundert damit verbundenen Attribute? Und die durch die Lebensinformationsverordnung EU 1169/2011 (kurz: LMIV) zusätzlichen Pflichtangaben? Oder sieht er für sich einfach nur keinen Mehrwert in der elektronischen Pflege von Artikelstammdaten im Artikelstammdatenpool?

Die paar Pflichtangaben kann er doch im Nu mit links im Artikelstammdatenpool einpflegen oder nicht?

Tatsächlich ist es leider nicht so trivial, wie man im ersten Moment meinen könnte und wie viele Lieferanten häufig zu Beginn annehmen. Die Anrufe von Lieferanten, die ganz glücklich sind, dass Sie Zugangsdaten zum Datenpool bekommen haben und dann fragen „Wo kann ich denn jetzt einen Artikel anlegen?“ und dann 3 Stunden später wieder anrufen, weil sie festgestellt haben, dass ihr Artikel nicht zu publizieren ist, da keine Bestell- und keine Rechnungseinheiten gepflegt sind,  sind schon nicht mehr zählbar.

Was können wir nun empfehlen?

Setzen Sie sich die richtigen Ziele:

Gute und vollständige Artikelstammdaten ergeben sich nicht nebenbei. Das Thema muss auf die Agenda des Managements. Denn es gilt nicht nur den Anforderungen des Handels zu entsprechen. Hochwertige Artikelstammdaten sind ein Wettbewerbsvorteil. Das beginnt bei einer Datenbereitstellung auf Knopfdruck, der korrekten Darstellung der eigenen Produkte in den Internet-Shops der Handelspartner, geht über die Auslieferung der richtigen Ware, schnellere Reaktionen in Krisenfällen, bessere Auskunftsfähigkeit bei Anfragen von Umweltorganisationen und setzt sich fort bis zur Optimierung von Beständen und Produktion.

Mit den richtigen Zielen und einer konsequenten Umsetzung erhält jeder Lieferant für sich einen Nutzen und beliefert seine Handelspartner bald ganz nebenbei mit Stammdaten.

Was lernen wir?

Artikelstammdatenmanagement ist nicht trivial. Mit diesem Thema muss sich jedes Unternehmen auseinandersetzen und auch der kleinste Schokoladenhersteller muss die für sich passende Organisation, Prozesse und IT-Unterstützung aufbauen.

Nicht das es doch noch heißt: Schokolade wird vom Händler nur noch unverpackt vereinnahmt!