Tafel oder Schachtel Schokolade? – Die Verwirrungen über die Vergabe der GDSN Verpackungsarten

Die Herausforderung der Migration von Sinfos auf GDSN steht Handel und Industrie aus der deutschen FMCG Community genau jetzt vor der Brust und beide Seiten arbeiten mit Hochdruck an der Tauglichkeit Ihrer Artikelstammdaten für eine erfolgreiche Teilnahme am GDSN. Einhergehend mit den Vorbereitungen für die Migration gibt es zahlreiche, kleinere „Nebenkriegsschauplätze“, welchen ich in unseren Kundenprojekten immer wieder begegne.

Schogetten Alpenvollmilch

Auf genau diese vermeintlich kleinen Nebenkriegsschauplätze rund um die GDSN Migration möchte ich in meiner folgenden Blogreihe das Augenmerk legen, da ich immer wieder in der Praxis lerne, dass es für eine erfolgreiche Migration essenziell ist, dass die Abstimmung zwischen Industrie und Handelspartner funktioniert und der Erfolg bei der Umsetzung von der richtigen Interpretation einzelner GDSN Elemente abhängig ist…

Beginnen wir heute bei der Definition der Verpackungsart im GDSN. Bei der Synchronisierung der Artikelstammdaten zwischen Industrie und Handelspartner scheint es hinsichtlich der Primärverpackung mehr Uneinigkeit zu geben, als zunächst befürchtet. Dies liegt zum einen an der Definition einzelner Primärverpackungen. Während man z.B. noch klar zu definieren weiß, was genau ein Karton ist, so fängt man doch schnell an zu grübeln, wo der Unterschied zu einer Faltschachtel liegt. Ist es die Größe? Der Schließmechanismus? Oder vielleicht die Art des Aufbaus?

Die Fülle an vorhandenen Verpackungsarten führt zwangsläufig zu Überschneidungen und Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen zwei oder mehreren Verpackungsarten bei ein und demselben Artikel.

Nivea Creme for men

Zum anderen sorgt auch die Perspektive, aus welcher ein Artikel betrachtet wird und die damit in Verbindung stehende Auswahl der Primärverpackung im Stammdatensystem, zu einer Diskrepanz bei Industrie und Handelspartner. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) möchte gerne seinen Kunden gerecht werden und lässt analog zu seiner Auswahl der Primärverpackung auch seine Regaletiketten im Markt beschriften. Der Hersteller dagegen betrachtet die Primärverpackung des Artikels ungeachtet der Kundensicht im Markt.

Eine Tafel „Schogetten Alpenvollmilch“, vom LEH gerne als „Tafel“ im System gepflegt, wird auf Lieferantenseite bevorzugt mit der Primärverpackung „Schachtel“ im Artikelstammdatenpool hinterlegt, mit der Begründung, „dass die Schokolade sich in einer Schachtel befindet“. Dies ist auch durchaus schlüssig, nur kennt der Kunde die Schogetten seit langer Zeit mit der Bezeichnung „Tafel“ auf dem Regaletikett im Markt und dem möchte der LEH auch weiterhin nachkommen.

 

Betrachten wir zudem ein weiteres Produkt wie die „Nivea Creme for Men“, welche sich in einem Glastiegel befindet und zusätzlich in einer Schachtel verpackt ist, so muss man sich die Frage stellen, ob hier nun die Verpackungsart „Schachtel“ oder „Glastiegel“ zu wählen ist. Während hier der LEH wiederum dazu neigt, die Sicht des Kunden im Sinne des Endverbrauchers, welcher zum Schluss die Nivea Creme for Men im Glastiegel hält, zu bevorzugen, wählt der Lieferant dagegen die Verpackungsart „Schachtel“, da er den Artikel, so wie er ihn an den LEH vertreibt, betrachtet.

Wer liegt hier richtig? Liegt hier überhaut einer richtig?

Beruft man sich auf Inhalte der GS1 Empfehlungen, so wird die Primärverpackung auch als „Verkaufsverpackung“ bezeichnet. Darunter ist somit auch ein möglicher Umkarton zu verstehen. Die in diesem Fall zugrunde gelegte GS1 Anwendungsempfehlung „Abverkaufsgerechte Handelseinheiten“ geht sogar noch weiter und sieht auch „Verpackungen, die als zusätzliche Verpackungen zu Verkaufsverpackungen verwendet werden und nicht aus Gründen der Hygiene, der Haltbarkeit oder des Schutzes der Ware vor Beschädigung oder Verschmutzung für die Abgabe an den Endverbraucher erforderlich sind“ als Primärverpackung und unterstützt somit die Sicht der Hersteller.

Sollten die Lieferanten auf ihre Sicht beharren, macht die Angabe der Primärverpackung auf dem Regaletikett bei vielen Artikeln keinen Sinn mehr.  An dieser Stelle wäre nun vom LEH zu überlegen, welche Anwendungsfälle es darüber hinaus für den Gebrauch der von der Industrie zu Verfügung gestellten Verpackungsart gibt, um diese auch sinnvoll einsetzen zu können. Denn die brauchbare Info, die dem LEH bezüglich der Primärverpackung in diesem Fall erhalten bliebe, wäre dann lediglich die Info darüber, wie er seinen Artikel gemäß der Primärverpackung im Regal zur Schau stellen bzw. deponieren kann.

Welche Primärverpackung nun die Richtige ist und welche die Falsche, sei nun dahingestellt. Diese Frage wird sich so schnell nicht lösen lassen. Die Verwirrung über die Verpackungsart bleibt somit erst einmal bestehen und es wird noch viele Gespräche zur Einigung geben müssen.

In meinem nächsten Blogartikel beschäftige ich mich mit der Fragestellung, warum die Anlage von korrekten Verpackungshierarchien im GDSN so wichtig ist und welche Konsequenzen unvollständige Verpackungshierarchien haben.